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Fitbit Charge HR im Langzeittest – Ein Erfahrungsbericht

Fitness-Tracker sind in, sie machen Spaß und die Nutzer erhoffen sich durch die neuen Gadgets ein gesünderes und fitteres Leben. Doch können die Geräte die Erwartungen der Nutzer erfüllen und nachhaltige Erkenntnisse über die eigene Gesundheit liefern? Das wollte ich herausfinden und habe das Fitbit Charge HR über vier Monate und in über einer Million gegangener Schritte einem Dauertest unterzogen.

Von November 2015 bis Februar 2016 stellte mir der Softwaretechnik-Lehrstuhl der TU München das Fitbit Charge HR für einen Test zur Verfügung. Ohne vorher je einen Fitness-Tracker genutzt zu haben oder mir Gedanken über die Geräteauswahl zu machen, wurde es das Charge HR Modell von Fitbit.

Das HR im Namen des Fitbit steht für Heart Rate, also der Möglichkeit auch die Herzfrequenz vom Armband überwachen zu lassen. Das Fitbit Charge HR macht das kontinuierlich, was den großen Vorteil bietet, dass der Kalorienverbrauch besser berechnet wird, man beim Sport in der optimalen Herzfrequenzzone trainieren und die Entwicklung des Ruhepuls über längere Zeit beobachten kann. Alles in allem kommt das Gerät mit folgenden Funktionalitäten:

  • Uhrzeit anzeigen
  • Schritte, Kalorien und Strecke zählen
  • Aufzeichnung des Schlafes mit automatischer Schlaferkennung
  • Erkennung von gegangenen Etagen / Stockwerken
  • Aktive Minuten
  • Kontinuierliche Herzfrequenzmessung
  • Anzeige eines eingehenden Anrufs über das Smartphone am Fitbit

Lieferumfang des Fitbit Charge HR

Der Lieferumfang des etwa 150 Euro (UVP) teuren Gerätes ist recht überschaubar. In der kleinen und netten Verpackung finden sich:

  • Das Fitbit Charge HR Armband
  • Ein 15 cm kurzes Ladekabel
  • Ein Dongle zur kabellosen Synchronisierung

Verarbeitung und Design

Ein wichtiger Faktor bei der Auswahl eines Fitness-Armbands ist mit Sicherheit das Design des Gerätes. Vor allem deshalb, weil das Gadget am Armgelänk an einer sehr prominenten Stelle des Körpers platziert ist, wo es von vielen unmittelbar wahrgenommen wird. Ich empfand das getestete Fitbit Charge HR als einen sehr angenehmen und schlichten Begleiter und es gab in den vergangenen Monaten keine Situation, wo das Fitbit nicht zu meinen modischen Ansprüchen gepasst hätte.

Obwohl die Verarbeitung des FitBit Charge HR auf den ersten Blick tadellos wirkte, quillte in meinem Test das Plastikarmband nach knapp 3 Monaten auf. Ob es sich hierbei um einen Produktsfehler handelte, kann ich abschließend nicht sagen. Allerdings antwortete der Support auf meine Anfrage zum Umtausch des Gerätes innerhalb weniger Stunden und das Gerät wurde anstandslos von Fitbit ersetzt. Das gibt ein Sternchen für einen tollen Support 😀

Funktionsweise des Fitness-Trackers

Das Fitbit Charge HR sammelt beim Tragen am Armgelenk permanent Daten und speichert diese im internen Speicher des Gerätes. Das Gerät kann detaillierte, minutengenaue Daten von insgesamt sieben Tagen speichern. Eine Synchronisation der Daten kann auf zwei Wege erfolgen:

  • Per Smarthpone-App: Diese ist für iOS, Android und Windows-Phone verfügbar und die Synchronisation wird angestoßen, sobald die App auf dem Smartphone gestartet wird. Alternativ gibt es eine Einstellung zur 24-h-Synchronisation die dafür sorgt, dass die Daten automatisch alle 24 Stunden synchronisiert werden, ohne das die App gestartet werden muss (das hat im Test leider nicht funktioniert. Die App selbst überträgt die Daten anschließend an die Fitbit-Server, damit die Trainingsfortschritte auch online eingesehen werden können.
  • Per Computer: Der Verbindungsaufbau erfolgt – wie bei der Smartphone-App – mittels Bluetooth Low Energy (BLE). Sollte ihr Computer nicht über eine Bluetooth-Schnittstelle verfügen, können Sie den mitgelieferte Dongle mit USB-Anschluss für die Verbindung nutzen. Mittels der Fitbit Connect Software können die Daten vom Fitbit Armband zum Computer und anschließend mit den Fitbit-Servern synchronisiert werden.

Die Darstellung der synchronisierten Daten im Web wurde in der für Windows typischen Kacheloptik realisiert:

Erfahrungen mit dem Fitbit Charge HR

Die Funktionen des getesteten Fitbit Charge HR habe ich oben kurz skizziert. In diesem Abschnitt werde ich besonders auf ein paar ausgewählte Features des Armbands eingehen und meine Erfahrungen damit schildern.

Anrufbenachrichtigung

Ist das Fitbit über Bluetooth beispielsweise mit einem iPhone verbunden, dann fängt das Armband bei einem eingehenden Anruf an zu fibrieren und der Name des Anrufers erscheint für 10 Sekunden am Display. Tolles Feature, dass sich bei mir in zwei Situationen immer wieder nützlich gemacht hat:

  • Deplatziertes iPhone: Das iPhone liegt in einem anderen Raum und ist auf lautlos gestellt. Trotz deaktiviertem Klingelton realisiert man den Anruf am Armband und kann individuell entscheiden, ob man noch schnell in den Nebenraum sprintet und den Anruf entgegen nimmt.
  • Unterwegs mit Headset und iPhone in der Hosentasche: Will man das iPhone nicht aus der Hosentasche kramen, aber doch wissen wer anruft, dann genügt ein kurzer Blick auf das Fitbit Charge HR. Anschließend kann man mit dem Headset bequem den Anruf annehmen und den Anrufer mit seinem Namen begrüßen. Kein weltverbesserndes Feature, aber vor allem im Winter bei eisigen Temperaturen sehr bequem.

Schrittzähler

Der Schrittzähler ist eines der elementaren Funktionen, die den Nutzer zu mehr Bewegung, pardon „Fitness“ im Jargon von Fitbit, anregen soll. Hat das funktioniert? Zum Teil. Am Anfang hat es funktioniert und durch die Anzeige der Schritte am Fitbit bin ich an manchen Tagen noch zusätzliche Kilometer gegangen oder habe auch mal einen Umweg in Kauf genommen. Allerdings hat der Effekt nach einigen Wochen mehr und mehr nachgelassen.

Was geblieben ist, ist eine sehr spannende Erkenntnis: An normalen Uni-Tagen bin ich mehr Kilometer und Schritte unterwegs als ich gedacht habe und komme relativ leicht auf die vorgegebenen 10.000 Schritte. Verbringe ich im Vergleich einen Tag im Home Office, dann fällt es mir schon schwer die 3.000 Schritte-Marke – was übrigens der Schrittmenge eines Managers entspricht – zu knacken. Hier löste das Fitbit eine merkliche Verbesserung meiner Bewegungsgewohnheit aus, denn seit Ende des Jahres gehe ich an solchen Tagen regelmäßig noch spazieren.

Abschließend noch ein paar Worte zur Genauigkeit des Schrittzählers: Laut Fitbit verwendet das Charge HR einen 3-Achsen-Beschleunigungsmesser, um die einzelnen Bewegungen zu analysieren. Das funktioniert im normalen Alltag grundsätzlich recht gut, kann aber in manchen Situation zu deutlichen Falschmessungen führen. Beispielsweise bin ich an so manchen Clubabenden /-nächten innerhalb von 4 Stunden auf über 20.000 Schritte – der Rekord lag bei 36.000 Schritte, was etwa knapp 27 Kilometer entspricht – gekommen. Hier darf man nach eigener Erfahrung den gemessenen Werten wenig Beachtung schenken. Positiver Nebeneffekt: Man kann sich schnell über das Bergstiefel-Abzeichen (ab 35.000 Schritten) freuen.

Schlaftracking

Aufgrund meiner persönlichen Interessen war das eine der Funktionen, von der ich mir am meisten Erkenntnisse erhoffte. Wie viele Stunden verbringe ich im Durchschnitt im Bett? Wie viel davon schlafe ich tatsächlich? Habe ich einen ruhigen oder eher unruhigen Schlaf?

Auf einige dieser Fragen konnte mir das Fitbit Charge HR grobe Antworten liefern. Aufgrund der Akkulaufzeit – später dazu noch mehr – konnte ich aber selten meinen Schlaf über eine komplette Woche hinweg tracken, da das Fitbit mindestens in einer Nacht an der Steckdose hing. Nichtsdestotrotz konnte ich folgende Learnings aus dem Test ziehen:

  • Zeit im Bett ≠ erholsame Schlafphase. Einerseits benötigt man Zeit zum Einschlafen und andererseits hat man während des “Durchschlafens” immer wieder Abschnitten der “Unruhe”, die nicht zur erholsamen Schlafphase hinzugerechnet werden dürfen. Die unruhigen Schlafphasen betrugen in meinem Test bei einer Stichprobe von 4 Wochen (19 Tage) etwa 6 % der Gesamtschlafdauer. Im mittleren Alter steigt diese Zahl in der Regel sogar auf 20 % an, wobei hier die Einschlafzeit eingerechnet wurde. Das bedeutet: Wenn Sie um 22 Uhr ins Bett gehen und um 6 Uhr aufstehen, haben Sie effektiv keine 8 Stunden geschlafen. Ein präziserer Wert wäre 8 Stunden minus die Zeit der Unruhe z.B. 30 Minuten (etwa 6 %) minus der Zeit zum Einschlafen, z.B. 15 Minuten. Im Ergebnis: 7 Stunden und 15 Minuten effektiv geschlafen.
  • Sensibilisierung für das Thema Schlaf. Eigentlich macht es jeder täglich: Vor dem Einschlafen überlegt man sich noch kurz wie viele Stunden man Schlafen kann, bis der Wecker einen aus dem Bett hämmert. Meistens ist dieser Teil der Geschichte aber eher frustrierend, da die tatsächliche Schlafdauer in der Regel von der eigenen Wunschvorstellung abweicht. Das Fitbit kann hier helfen, indem es die Schlafdauer über die letzten Tage und Wochen genau aufzeichnet und darstellt. Das motiviert und hilft dabei, die von Fitbit vorgegebene Mindestschlafdauer (unter Abzug der Unruhe-Phasen) von 7 Stunden einzuhalten. Über die Zeit des Tests hinweg ist meine Schlafdauer merklich angestiegen, was nicht nur meiner Gesundheit sondern auch meiner Leistungsfähigkeit zuträglich war.

Herzfrequenzmessung

Die kontinuierliche Messung der Herzfrequenz geschieht beim Fitbit Charge HR über ein auf der Haut reflektierendes Licht der im Armband eingebauten PurePulse™-LEDs (mehr dazu hier).

Durch diese Messung kann im Tagesverlauf genau bestimmt werden, in welcher Herzfrequenzzone man sich bewegt. Dies ist besonders bei Läufern vorteilhaft, die ihr Training optimieren möchten. Die spannendste Erkenntnis für mich – ohne die Herzfrequenzmessung beim Laufen getestet zu haben – war die Messung meines Ruhepulses und die Entwicklung des Wertes über die letzten vier Monate hinweg.

Die Fitbit Smartphone App in aller Kürze

Die Darstellung der erhobenen Fitnessdaten in der Smartphone-App (im Test die iOS-App) ist sehr übersichtlich und die App ist einfach und intuitiv zu bedienen. Zusätzlich bringt die App noch zwei Funktionen mit, die für manche Benutzer ganz interessant sein könnten:

  • Messung der Flüssigkeitszufuhr: Mithilfe der Fitbit App kann mit einfachen Mitteln die tägliche Flüssigkeitszufuhr in die App eingetragen und über die Zeit beobachtet werden. Ich habe das für eine Woche getestet und empfand das Feature als ganz wertvoll. Ob die dauerhafte Überwachung dieser Daten für den Einzelnen Sinn macht, bleibt jedem selbst überlassen.
  • Messung der aufgenommenen Kalorien: Mit der integrierten Lebensmittel-Suche können für eine Vielzahl von Lebensmitteln die aufgenommenen Kalorien in der App gesucht und gespeichert werden. Auch ein Barcode-Scanner ist vorhanden. Wer gerne Kalorien zählt, dem dürfte diese Funktion gefallen. Ich für meinen Teil halte nichts vom Kalorienzählen und habe die Funktion deshalb auch nicht ausführlicher getestet.

Akkulaufzeit

Ein großer Nachteil, welcher aber leider mit allen Fitness-Tracker kommt, ist die Notwendigkeit das Armband regelmäßig zu laden. Die Akkulaufzeit des Fitbit Charge HR beträgt etwa 5 Tage, bevor es wieder an die Steckdose muss. Das ist im Vergleich zu anderen Fitness-Tracker recht kurz, was vor allem der permanenten Messung der Herzfrequenz geschuldet ist. Zum Laden des Gerätes wird ein spezielles Kabel benötigt, welches man idealerweise immer dabei haben sollte. Falls nicht, dann hat man – wie es mir nicht selten erging – erst einmal ein paar Tage keine Uhr und Tracking-Funktionalität.

Der Ladevorgang selbst geht innerhalb von 2 Stunden vonstatten. Das mitgelieferte Ladekabel ist für meinen Geschmack jedoch zu kurz, was dazu führt, dass das Fitbit Charge HR immer in der Luft rum taumelt während es an der Steckdose hängt.

Kleine Wunschliste

Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit der Fitbit-App

Was in der iOS App misslang, ist im Dashboard die Trennung zwischen dem Bearbeiten-Button in der linken oberen Ecke und der darunter liegenden Pfeiltaste für die Anzeige des vorherigen Tages. Egal wie konzentriert ich war, in der Regel startete ich immer den Bearbeiten-Modus anstatt den vorherigen Tag anzuzeigen. Das war auf Dauer nervig.

Verbesserung der Synchronisation zwischen Fitbit und iPhone

Das größte Ärgernis beim Fitbit Charge HR waren die Probleme bei der Synchronisation zwischen iPhone 5S und dem Fitbit. Die 24-h-Synchronisation hat nie wirklich funktioniert, weshalb bei jeder Synchronisation meistens mehrere Tage an Daten übertragen werden mussten. Das dauerte, nicht selten 15 Minuten, in welchen sich die automatische Sperre des iPhones nicht aktivieren durfte. Mein Workaround: Bei jeder Synchronisation bei der mehrere Tage übertragen werden mussten, die automatische Sperre in den Einstellungen von iOS temporär deaktivieren und warten, bis die Synchronisation abgeschlossen wurde.

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  • Tracke Trainingseinheiten, Herzfrequenz, Strecke, verbrannte Kalorien, Etagen aktive Minuten und Schritte

Fazit

Das Fitbit Charge HR ist ein nettes Gadget, mit welchen man über mehrere Wochen durchaus interessante und nachhaltige Erkenntnisse über die eigene Gesundheit und Lebensgewohnheiten ziehen kann. Sollten Sie die Möglichkeit haben das Fitbit Charge HR mal testen zu können, schlagen Sie sofort zu! Ob man sich den Fitness-Tracker für einen Preis von 150 Euro (UVP) tatsächlich kaufen muss, kann ich Ihnen abschließend nicht beantworten. Mir persönlich bietet der Fitness-Tracker für den Preis zu wenig Mehrwert und ich hege große Bedenken bezüglich des Datenschutzes beim Dauereinsatz solcher Tracking-Gadgets wie dem getesteten Fitbit Charge HR.

Getestet unter iOS 9.2(.1) und der Fitbit-App 2.19 (466)

Veröffentlicht von Josef Seidl

Josef Seidl hat an der TU München und der Stanford University Wirtschaftsinformatik (M.Sc.) studiert. Er ist begeistert von Technik und schätzt performante Webseiten. In seiner Freizeit unternimmt er gerne Wandertouren und lässt sich von fremden Orten inspirieren. Zu finden ist er auch bei XING und privat bei Twitter.